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Vogelgrippe – Was ist zu tun und können wir die Situation verändern?

Es geht in unserm Land ein befremdender Geist um. Vielfältig sind die Äußerungen zu der aktuellen Geflügelpest. Eine Pandemie ist im Anflug, das Virus H5N8 kann mutieren und auf den Menschen übertragen werden, das Rassegeflügel wird an den äußersten Rand gedrängt, es werden keine Ausstellungen mehr möglich sein. Eine Katastrophe ist es für die Züchterinnen und Züchter, auch für die Vereine und Verbände. In den neuen Medien - wird mit der Wortwahl nicht gezaudert, üble Unterstellungen verbreitet, Behauptungen aufgestellt und mit giftigen Pfeilen geschossen. Wenn die Emotionen brüllen, geht die Vernunft in die Knie. Eben diese Vernunft ist jetzt die Herausforderung.

Da gibt es aber noch etwas: was macht sich für die politische Positionierung gut? Aktivität im Krisenfall beweisen. So geschehen durch den Umweltminister Habeck, der gestützt auf die Expertise der Wissenschaftler vom Friedrich – Loeffler – Institut, handelt.

Kommentar in den Kieler Nachrichten - Heike Stüben zur Vogelgrippe Robert Habeck hat schnell reagiert. Kaum war das H5N8 Virus in verendeten Reiherenten bei Plön nachgewiesen, hat er die Geflügelpestverordnung umgesetzt, fast täglich die Öffentlichkeit über seine Schritte informiert und dem Bundeslandwirtschaftsminister Beine gemacht.

Doch nun wird sein Ruf als Krisenmanager auf die Probe gestellt. Nicht etwa, weil er über seiner Kandidatur als Bundesvorsitzender der Grünen seine Landesaufgaben vergessen hätte. Nein, den Bundesparteitag seiner Partei in Münster ließ er schnell sausenund war dort, wo ihn seine Schleswig-Holsteiner erwartet haben: an jenen Orten, wo Geflügelbestände nach der Geflügelpestverordnung getötet werden mussten. Bedauerlich, aber alternativlos - das war Habecks Botschaft. Nun grätscht ihm eine Wissenschaftlerin dazwischen [Prof. Dr. Karina Reiß]. 

Was sie formuliert und vor allem nachvollziehbar begründet, wird vielen Menschen gefallen. Weil es argumentativ unterfüttert ist, was bisher nur ein Gefühl war: dass der Umgang mit der Vogelgrippe rechtlich einwandfrei läuft, aber dennoch hilflos bis übertrieben erscheint. Dass er primär an den Bedürfnissen der Geflügelwirtschaft ausgerichtet ist, die mit dem Stempel "Vorsicht Geflügelpest" Nachteile auf dem globalen Markt fürchtet. Etliche Staaten lassen kein Geflügel aus Deutschland mehr hinein. Der Umgang mit der Geflügelpest darf, ja muss diskutiert werden.
Artikel veröffentlicht: 23. 11. 2016. Frau Prof. Dr. Karina Reiß ist Biochemikerin und Zellbiologin, leitet die Kieler Sektion vom Excellenzcluster Entzündungsforschung.

Was sich aktuell abspielt, ist übertriebener Aktionismus

Dazu einige weitere Kommentare von Prof. Dr. Karina Reiß

Zunächst sollten wir festhalten: H5N8 ist eine Form der Vogelgrippe, die nicht den Menschen Krank macht. Es geht also nicht um den Schutz der Bevölkerung. Das Ziel ist, um jeden Preis die Ausbreitung der Vieren zu verhindern, egal ob sie gefährlich sind o nicht. Da muss man schon nachfragen, ob das Sinn macht. Zuerst sehen wir mal wieder übertriebenen Aktionismus, der sich in schlimmer Weise auf ein Gesetz, die Geflügelpest-Verordnung, berufen darf. Das soll angeblich die Verbraucher schützen, geht aber an der Wirklichkeit vorbei und bringt unheilvolle Folgen mit sich.

 

 

 
Die Vogelgrippe kann uns also kalt lassen?
Vögel erkranken genau wie wir an einer Erkältung, Grippe und diversen anderen Erkrankungen, an denen das eine oder andere Tier auch stirbt. Das war schon immer so und wird nie anders sein. Grippe-Viren sind sogar bei Vögeln sehr verbreitet, deshalb aber nicht automatisch gefährlich. Die Vogelgrippe erhielt diesen „Nimbus“ dadurch, dass Ende der 90er Jahre in Asien eine Welle von sehr schweren Infektionen durch das Virus H5N1 auftraten. Seitdem hat sich durchgesetzt, dass man grundsätzlich zwischen besonders gefährlichen Viren (genannt HPAV) und den weniger gefährlichen Vogelgrippe-Virusstämmen (LPAV) unterscheiden sollte.
 
Frage: Wie bewerten Sie die Gefährlichkeit des Virus für Menschen?
Ganz klar: die ist nicht gegeben. Trotz aller bisherigen Ausbrüche von H5N8 hat sich nicht ein einziger Mensch auf der ganzen Welt damit angesteckt. Alle offiziellen Stellen werden natürlich sagen, dass man eine Gefährlichkeit nicht ausschließen kann. Nun kann man auch nicht ausschließen, dass morgen ein Mensch von einem herabstürzenden Meteoriten erschlagen wird. Die Wahrscheinlichkeit geht – sagen wir mal gegen Null. Aber kann man es ausschließen? Nein? Deshalb heißt es von offizieller Seite: „Es ist nicht unmöglich“. Das führt dazu, dass die Bevölkerung unnötigerweise verunsichert wird.

Mit der sachlichen Argumentation wird das Geschehen in an anderes Licht gerückt und es bestärkt uns sich nicht von einer gewissen Arroganz beeindrucken zu lassen.

Also denken wir das ganze Dilemma doch einmal neu. 

Es deuten sich zwei voneinander unabhängige Wege an.

  1. Einfluss auf die Geflügelpestverordnung – Danach muss der gesamte Bestand getötet werden. Eine einzelne Person kann da nicht viel erreichen, vermutlich nicht einmal angehört. Bei der Novellierung zum Tierschutzgesetz ist der Erfolg nicht ausgeblieben. Es geht um die Infragestellung des bisherigen Verfahrens und möglicherweise auch um Autoritäten. Es ist ein Protest der nicht um, sondern in die Wahlkabinen führen muss.
  2. Völlig in den eigenen Reihen liegt der Denkansatz zu einem angepassten Ausstellungsgeschehen. Die Hoffnung haben wir schon seit Jahren, dass die Viruserkrankung sich unterdrücken lässt. Eines ist jedoch klar, so lange der Fleischverbrauch pro Kopf und Jahr bei 59 kg liegt wird es bei Massen-tierhaltungen bleiben. Folglich müssen wir uns darauf einstellen. Der Ansatz kann in jahreszeitlichen Verschiebungen der Schauen liegen. Damit verbunden ist eine Angleichung im Zuchtregime und ggf. bei der Bewertung.

Beide Themen werden uns in der kommenden JHV und schon im nächsten Rundblick beschäftigen.

Resümee: Über Jahrhunderte sind einzelne Rassen entstanden und auch erhalten geblieben. Es bedurfte keiner Massentötung und schon gar nicht auf Verdacht, weil es die industrielle Haltungsform nicht gegeben hat. Jetzt ist es an der Zeit die Interessen abzugleichen und für die Tiere eine ethisch vertretbare Lösung zu erarbeiten.

Manfred Bartl   im Dezember 2016

 

 

 
 
 
 
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