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Leseprobe

 

 

Vom Wild- zum Haushuhn

Was haben Mensch und Elster gemeinsam? Beide sind Eierräuber! Auf so einen einfachen Nenner könnte man die Beziehung des Menschen zu seinen Hühnern bringen. Noch immer ist der Sinn des Eierlegens die Fortpflanzung, und das glauben vermutlich auch die Hybridhennen in der Massenhaltung. Es hat sie ja niemand aufgeklärt.

Die Stammform aller Hühner ist das Bankivahuhn (Gallus gallus), beheimatet in Ost- und Südostasien. Domestiziert wurde es vor gut 4000 Jahren. Doch was heißt das schon? Ich denke, die Beziehung der Menschen zu seinen gefiederten Mitgeschöpfen ist so alt wie die Menschheit. Geflügel und Eier waren zu allen Zeiten wichtige Nahrungsmittel, das Geflügel wurde gejagt, und die Eier wurden gesucht und den Brutnestern entnommen. Je weiter der Embryo im Ei entwickelt war, desto besser. In einigen asiatischen Ländern gilt das heute noch als Leckerbissen.

Da lag es doch nahe, dass Mensch und Bankivahuhn sich näher kamen. Beide suchten Schutz in der dicht bewaldeten Landschaft. Diese Hühner waren wohl nicht so scheu wie Fasanen und Rebhühner. Möglich, dass sie auch nach Abfällen suchten, die von den Menschen hinterlassen wurden. Vielleicht wurden gelegentlich niedliche Küken nicht gleich verspeist, sondern aufgezogen. Domestikation hört sich  immer so großartig an. In Wirklichkeit war das ein Prozess, der sich über viele Generationen hingezogen hat.

Sind Wildtiere erst mal lange genug in Menschenhand, verändern sich Form und Farbe. Es sind Mutationen, die diese Veränderungen herbeiführen. Veränderungen, die unter den harten Bedingungen des natürlichen Lebensraums keine Chance zur Reproduktion hätten. Unter Schutz und Pflege des Menschen gedeihen sie, können sich weiter vermehren und ihre neuen Anlagen festigen. Als sich Mensch und Bankivahuhn erst mal zusammengetan hatten, ist genau das passiert. Es ging weiter und weiter, manches geschah gezielt, vieles zufällig.

Heute leben allein in Europa über 180 Hühnerrassen. Da gibt es schwere und leichtere, die einen haben mehr Fleisch, die anderen legen mehr Eier. Es ist schön, dass wieder zunehmend das Zweinutzungshuhn entdeckt wird, also Fleisch und Eier. Neben den Großen, gibt es zu vielen Rassen eine verzwergte Art, geschaffen für die kleinflächige Gartenhaltung und durchaus wirtschaftlich was Schlachtgewicht und Eierertrag betrifft.

Besonders interessant sind die Urzwerge. Das sind kleine Hühnchen, die keine großen Ebenbilder haben. Es gibt in Europa an die fünfzehn Arten und ihre nächsten Verwandten sind nach wie vor die Bankivahühner. Zu dieser Gruppe gehören auch die Chabo. Früher wurden sie japanische Bantam genannt, was auf ihre Herkunft hindeutet. Seit fünf Jahrhunderten kennt und pflegt man sie in kleinen Einheiten. Trotz dieser langen Periode ihrer Entwicklung, trotz der Ausrichtung auf Schönheitsmerkmale, wozu auch die Kurzbeinigkeit gehört, haben sich bei ihnen alle Attribute der Bankivahühner erhalten. Natürlich sind sie nicht scheu wie Wildhühner, sondern ruhig und freundlich, aber in ihrem robusten Verhalten, ihrer Zurückhaltung offene Flächen zu nutzen, ihrem guten Brutverhalten und dem fürsorglichen Umgang mit den Küken, an dem sich auch der Hahn beteiligt, zeigen sie noch immer viele Eigenschaften, die ihre wilden Vorfahren zum Überleben brauchten.    

Diese Chabo stehen stellvertretend für alle Urzwerge, ja im Grunde für alle Hühner, egal ob groß oder klein. Wie weit auch immer die Beziehung Mensch – Huhn zurückgeht (mit der planmäßigen Zucht sollen die Römer begonnen haben), in den Grundansprüchen an Ernährung, Schutz, Bewegung und Beschäftigung hat sich nichts verändert. Denken wir also über das Bankivahuhn nach, wenn wir über artgerechte Hühnerhaltung sprechen. Unser Frühstücksei soll doch von einer zufriedenen Henne stammen, und das Hähnchen am Grill sollte bis dahin glücklich gelebt haben.

Wolfgang Schreiber

 

 

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